Gegen Studiengebühren für Studierende aus dem Globalen Süden - hier unterschreiben!

Erstellt am 17.01.2018

Liebe Internationale Studierende,

mit unten stehendem Text spricht sich die Studierendenpfarrkonferenz Westfalen (Zusammenschluss aller ESGn an westfälischen Hochschulen) gegen die in NRW geplante Einführung von Studiengebühren für internationale Studierende aus dem Globalen Süden aus.

Unter dieser Stellungnahme finden Sie einen Link zu einer Petition des Netzwerks "Studieren und Transformieren". Dort können Sie deren offizielle Petition gegen die Studiengebühren unterschreiben.

 


Stellungnahme der Studierendenpfarrkonferenz (SPK) der EKvW zur geplanten Erhebung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer in NRW

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP vom 26.6.2017 sieht in dem Kapitel: „Zur Hochschulfinanzierung und Studienqualität“ die Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer vor.

Die SPK der EKvW nimmt deshalb Stellung zu der beabsichtigten Gesetzesänderung in NRW. Die Studierendengemeinden der EKvW, die unter dem Namen Evangelische Studierenden Gemeinde (ESG) an jedem Hochschulstandort in NRW vertreten sind, haben allesamt eine lange Erfahrung in der Begleitung, Beratung und Unterstützung von Internationalen Studierenden. Durch diese Arbeit vor Ort und mit der angesprochenen Studierendengruppe haben sie einen guten Einblick in die wirtschaftliche Lage vieler Nicht-EU-Ausländer. Die geplanten Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer halten wir für ein falsches Zeichen und nennen deshalb unsere wichtigsten Gründe gegen diese geplante Gesetzesänderung in NRW.

1. Nicht nur die Internationalen Studierenden, sondern auch die Nationalen Studierenden profitieren von der Offenheit der Universitäten und dem gemeinsamen Lernen und Forschen an den Hochschulen. Durch die Kontakte zwischen internationalen und nationalen Studierenden weiten sich der Blick auf und das Verständnis für die gesellschaftsübergreifenden Zusammenhänge der ganzen Welt. Wir möchten diese breite Internationalisierung an den Hochschulen mit all ihren Vorteilen nicht riskieren.

2. Hinsichtlich der entwicklungspolitischen Ziele der Bundesrepublik Deutschland könnte diese Entscheidung im Land NRW einen großen Rückschlag bedeuten. Der überwiegende Teil der Internationalen Studierenden entscheidet sich schon früh im Heimatland für ein Studium in Deutschland, gerade weil es hier keine Studiengebühren gibt. So bereiten sich viele schon im Heimatland auf ihr Studium in Deutschland vor, lernen die deutsche Sprache und damit auch ein Stück der Kultur. Die meisten der Absolventen gehen dann in ihr Heimatland zurück und leisten dort mit den hier erworbenen Kenntnissen wichtige Entwicklungsarbeit Auf diese Weise stärken sie die Entwicklungszusammenarbeit, wie sie auf der G 20 Afrika Konferenz auch von Kanzlerin Merkel unterstrichen wurde. "Wenn wir der Jugend keine Perspektive geben, wenn wir nicht in Bildung und Qualifikation investieren, wenn wir nicht die Rolle von jungen Mädchen und Frauen stärken, wird die Entwicklungsagenda keinen Erfolg haben". Die Hochschulen in NRW sollten weiterhin Teil dieses entwicklungspolitischen Mosaiksteins bleiben und nicht die Internationalen Studierenden an andere Bundesländer verlieren.

3. Zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen gehört SDG 4 „Chancengerechte und hochwertige Bildung“. Dort heißt es: „Die Investition in die Bildung und die Stärkung des Bildungssektors sind der Schlüssel zur Entwicklung eines Landes und seiner Menschen.“ Dieser Grundsatz sollte auch in Zukunft richtungsweisend für die Bildungspolitik in NRW bleiben.

4. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sagte bei der Vorstellung der PROGNOS Studie: “Wir freuen uns, dass immer mehr Studierende nach Deutschland kommen. Sie sind uns willkommen, weil sie zum Austausch von Wissen, Ideen und Erkenntnissen beitragen. Die Studie zeigt aber auch: Ausländische Studierende bringen uns ganz handfeste volkswirtschaftliche Vorteile. Sie investieren, konsumieren, zahlen Steuern und sichern Arbeitsplätze.[…] Deshalb haben die Länder und der Bund sich das Ziel gesetzt, ihre Zahl weiter zu steigern.“ (Quelle: Vorstellung der PROGNOS Studie) Diese Aussage der Bundesbildungsministerin unterstützen wir sehr nachdrücklich. Aus unserem christlichen Verständnis interpretieren wir diesen Ansatz der Bildungspolitik selbstverständlich als einen, der alle Studierenden willkommen heißt: nicht nur diejenigen, die reiche Eltern haben, die sich Studiengebühren in NRW leisten können, sondern auch jene, deren finanzielle Möglichkeiten eingeschränkt sind.

 Wir appellieren an die politischen Entscheidungsträger in NRW,  ihren momentanen Ansatz in der Hochschulpolitik im Hinblick auf die Studiengebühren für Nicht-EU Ausländer zu überdenken und eine solche Gesetzesänderung in NRW nicht zu beschließen.

 (Für die SPK der EKvW: i.A. Sabine Fleiter, Heidrun Greine, Markus Sorg, Matthias von Westerholt, 27.06.2017)

 

Aufruf zur Petition:

 

Liebe Studierende, liebe Mitstreitende,

seit diesem Semester WS 17/18 müssen Studierende aus dem globalen Süden, die in Baden- Württemberg studieren, einen Eigenbeitrag von 1.500 Euro pro Semester und 650 Euro für das Zweitstudium zahlen. Die neue Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat ebenfalls ein ähnliches Vorhaben angekündigt.

Wir, das Netzwerk Studieren und Transformieren, bekräftigen hiermit unsere Ablehnung dieser Entwicklung, die rückwärts verläuft, die einzelne Gruppen gezielt diskriminiert und eine Verletzung des Gleichstellungsprinzips in bildungsrechtlichen Belangen darstellt. Wir fordern alle Studierende sowohl aus dem Globalen Süden als auch aus dem Globalen Norden auf, sich uns anzuschließen, damit wir dieser Entwicklung entgegenwirken sowie eine Ausbreitung auf andere Studierendengruppen und auf andere Bundesländern verhindern. Dadurch signalisieren wir den Politiker*innen , dass wir dieses Vorhaben kompromisslos ablehnen und unser Recht auf Bildung und Teilhabe in der deutschen Gesellschaft einfordern.

In diesem Sinne unterstützen wir die vom Aktionsbündnis gegen Studiengebühren initiierte Petition. Wir bitten Euch, diese Petition ebenfalls zu unterzeichnen und weiterzuleiten: https://www.openpetition.de/petition/online/keine-studiengebuehren-in-nrw 

Solltet Ihr weitere Fragen und Kommentare zu diesem dringenden und wichtigen Thema haben, zögert nicht uns per Email (contactdontospamme@gowaway.netzwerk-studyandtransform.com) zu kontaktieren!

Mit solidarischen Grüßen,

Euer Netzwerk Studieren und Transformier

Netzwerk Studieren und Transformieren

Vara Kakonashvili & Corine Ngahan

Team für Interne Kommunikation und Management

E-Mail: contactdontospamme@gowaway.netzwerk-studyandtransform.com